Arne Bunk: Eine Schauspielerin versucht zu weinen
Filme bis zu 90 Sekunden (Fördersumme je 10.000 Euro)
Experimenteller Dokumentarfillm, 2:40 min, Produktion: Arne Bunk
Eine Schauspielerin versucht zu weinen. Sie arbeitet.
„Mit der Konstitution eines bürgerlichen Arbeitsbegriffs wird ein Mittel gegen Melancholie und Müßiggang entwickelt.“
Wolf Lepenies
Mit einem einfachen Aufbau entfaltet sich in diesem kurzen Film ein komplexes Themenfeld: Eine Schauspielerin versucht zu weinen. Sie ist in sich versunken und wirkt angestrengt. Streckenweise gibt es keine Bewegung – außer der Atmung und dem Wandern der Augen. Es gibt keine Musik, nur Geräusche durch Bewegungen, Atmung etc. Texttafeln konnotieren das Sichtbare mit dem Thema Arbeit.
Seit längerem arbeitet Arne Bunk an einem Fotoprojekt, für das er weinende Schauspieler fotografiert. Das Weinen versteht er hierbei als performativen Akt, als eine Aufführung von Gefühlen. Es sind zwar körpereigene Tränen, jedoch fällt es schwer, diese als „echt“ zu bezeichnen. Die Tränen sind kein Verweis auf ein persönliches Leid. Der Auftrag an die Schauspieler ist auf das Weinen beschränkt. Es gibt keine Erzählung, die wie im narrativen Film und Theater zu Tränen rührt. Die Zugänge zum Weinen sind unterschiedlich. Es braucht meist einen Vorlauf, eine Zeit der Kontemplation und Ruhe, um “grundlos“ Weinen zu können. Zunehmend wurde genau dieses Vorspiel interessant. Es sind Personen zu sehen, die schwere innerliche Arbeit leisten. Dieses äußert sich in verschiedenen Anzeichen wie einer Erstarrung, einem versunkenen Blick, einem Augenzucken, einem plötzlichen Zusammensacken. Jedoch entzieht sich der der innerliche Vorgang der Abbildbarkeit, worin eine besondere Spannung liegt. Es geht auch darum, die Grenze des Mediums zu untersuchen. Es geht auch um das Weinen im Kino.
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138 K |
Herzlichen Glückwunsch:
- Eine Schauspielerin versucht zu weinen ist Kurzfilm des Monats Juli 2007 der Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW):
Prädikat Besonders Wertvoll
"„eine schauspielerin versucht zu weinen“ ist eine Referenz auf die Screen Tests in Hollywood.
In diesem kurzen Kurzfilm erleben die Zuschauer das Handwerk der Schauspielerei aus einer verblüffenden Perspektive: Schienen, Scheinwerfer und Mikrofon verbreiten eine nüchterne Arbeitsatmosphäre am Set. In einer Kamerafahrt, der einzigen Einstellung des Films, die in einer Nahaufnahme auf das Gesicht einer Schauspielerin mündet, wird die Anstrengung und Konzentration deutlich, auf Anweisung zu weinen. Die Reduzierung der Tonebene auf das einsetzende Schluchzen der Frau fokussiert die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf diesen Arbeitsvorgang.
Äußerst pointiert gelingt es dem Film, die mühevolle schauspielerische Tätigkeit ins Blickfeld zu rücken, die in der Regel hinter Glamour verborgen bleibt und öffentlich kaum als Arbeit wahrgenommen wird. Der stringent inszenierte Film widerläuft jedem Klischee von Schauspielerei und ist gleichzeitig eine Verneigung vor den Großaufnahmen Hollywoods."
Stabliste
schauspielerin:
JULIA NACHTMANN
regieassistenz:
MAX HINDERER
kamera:
BETTINA HERZNER
kameraassistenz:
FRITZI WIEGEL
licht:
SIMONE FRIEDEL
lichtassistenz:
PHILIPP ASTER
ton:
THOMAS FLEISCHHAUER
bühne:
THOMAS OSWALD
maske:
KIRSTEN MEYER
catering:
SPORTFRIKADELLE
schnitt:
MARY MACK
tonmischung:
PIERRE BRAND
video-lichtbestimmung:
SUSI MONTGOMERY
regie:
ARNE BUNK
filmmaterial:
KODAK
studio, licht und kameratechnik:
CINEGATE
kopierwerk:
ATLANTIK/STUDIO BABELSBERG
videoabtastung:
VCC PERFECT PICTURES
tonstudio:
PRIMETIME STUDIO GMBH
titelausbelichtung:
OPTICAL ART
Dank an:
JULIA ARIKAS
TOBIAS BÜCHNER
HARUN FAROCKI
HARALD LEHMANN
JAN PAULO
HARTMUT RABE
GERD ROSCHER
UTE STORM
BARBARA WAGNER
LARS WILDE
Produktion
Arne Bunk/HfbK Hamburg
2006
Dieser Film ist im Rahmen eines Kurzfilmwettbewerbs zum Thema Arbeit
mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes entstanden -
organisiert von der KurzFilmAgentur Hamburg e.V.
in Kooperation mit ZDF/ARTE.




